Erkältungsgedanken und Schnittmengen

Vor kurzem habe ich hier etwas geschrieben über einen Abschied ohne Abschied. Es war richtig, es war damals kein Abschied. Inzwischen ist einige Zeit vergangen, und wenn ich richtig liege mit meinen jetzigen Gedanken, wird es ein Abschied gewesen sein. Vielleicht hängt dies auch mit meiner aktuellen Erkältung zusammen, die mit zwar die Nase und den Hals verstopft, aber den Blick auf manches doch geschärft schweifen lässt. 

Letzte Woche habe ich etwas getan, was für mich außergewöhnlich war. Wobei – wenn ich es mir recht überlege, war es das eigentlich nicht. Eigentlich bin ich eher unauffällig, und wenn ich auffallen sollte, dann durch die eine oder andere Aktion, die man mir nicht zugetraut hätte. Nur wage ich derartige Aktionen – leider – nicht allzu häufig. Es wäre an der Zeit, öfter mal über seinen eigenen Schatten zu springen, sich aus der Komfortzone zu befreien, um vielleicht mal wieder etwas mehr Leben zu spüren. Zugegeben, an diesem Wochenende war es nicht wirklich möglich, ich war froh, wenn ich die Tage halbwegs überlebt habe, ohne meiner gesamte Umgebung mit meinen Erkältungssymptomen auf den Nerv zu fallen. Momentan schmerzen Stellen meines Körpers, die ich vorher nie wirklich beachtet habe, während es anderen beinahe schon besser geht als im normalen Zustand ohne Erkältung. Jedenfalls war ich letzte Woche noch in einem etwas besseren Zustand, insofern habe ich einfach mal Büro Büro sein lassen und bin durch die Gegend gefahren. Ok, ich hatte ein Ziel, ich wollte etwas erreichen, und das habe ich geschafft. Irgendwie habe ich es geschafft. Die Fahrt dorthin war mehr oder minder haarsträubend, vier Autobahnen, fünf Staus, zu viele Idioten, Baustellen, Sperrungen usw.. Wahrscheinlich wäre ich mit dem Fahrrad schneller gewesen. Dann noch kurz um die Ecke, ich sah mein Ziel bereits auf einem Hinweisschild im Industriegebiet. Perfekt. Es war ein perfekter Moment. Ich wiederhole: Es war ein perfekter Moment.

Das Ziel erreicht, dazu gehörte noch eine kurze Interaktion, insofern – erledigt. Vielleicht war das der Weg, den Abschied nicht zu einem Abschied werden zu lassen. Aber darauf kam es mir in dem Moment auch nicht an. Ich fühlte mich schlicht und einfach großartig. Warum? Ganz einfach. Nichts konnte mich aufhalten. Niemand konnte mich aufhalten. Ich hatte meinem Chef einen Tag zuvor Bescheid gesagt. Was wäre gewesen, wenn er sich quer gestellt hätte? Irrelevant. Ich hätte es getan, ggf. mit den Konsequenzen leben müssen, aber das interessiert mich nicht. Ich sagte, dass ich eine bis zwei Stunden später kommen würde. Wenn es drei Stunden gedauert hätte? Na und? Was konnte mir passieren? Die Fahrt war ebenfalls abenteuerlich, aber so dauerte sie eben ihre Zeit. Egal. Dann die Parkplatzsuche – einmal quer durch den Ort, denn auf dem Gelände war kein freier Platz vorhanden. Auch egal. Kurz gedreht, dann weiter gesucht, so kam ich doch noch halbwegs in die Nähe. Auch die anfangs verschlossene Tür hielt mich nicht auf, immerhin waren die Leute auf besagtem Gelände sehr nett und zuvorkommend, so dass das letzte Stück nahezu ein Kinderspiel war.

Das Gefühl danach war umwerfend. Ich hatte es geschafft. Ich wollte zwar nur noch weg, aber das hatte andere Gründe. Mir ging das Lied “Au revoir” von Mark Forster im Kopf herum, ich hätte es gebrauchen können. Ich bin zum Wagen zurück, interessanterweise erreichte mich eine Nachricht von vor der Zielerreichung… Später dann noch eine, aber dabei blieb es dann auch. Und vielleicht wird es ein Abschied gewesen sein. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ist alles offen, vielleicht längst beschlossen.

Doch darauf kam es in dem Moment nicht an. Das Ziel verfolgt und erreicht. Das war der Moment an jenem Tag. Vielleicht wird die Zukunft keine Schnittmenge mehr bereit stellen. Bisher gab es eine, bisher gestaltete sich der Kontakt einfach, zumindest gab es etwas Gemeinsames. Ich wage hier keine Vorhersage, denn letztlich bleibt mir nichts übrig, als auch dies zu akzeptieren, auch wenn ich es schon sehr bedauern würde. Vielleicht hätte mich auch die lange und intensive Umarmung stutzig machen sollen. Aber in diesem Bereich kenne ich mich eben noch nicht wirklich aus.

Insofern könnte ich in etwa denselben Schlußsatz aufschreiben wie beim letzten Post. Aber ich mag keine Wiederholungen.

 

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