Aufräumen. Teil 2.

Ein wenig aufräumen, erneut. In den vergangenen drei Wochen Urlaub bin ich sogar dazu gekommen. Beispielsweise im Garten. Zwar nicht direkt “umgepflügt”, aber immerhin ziemlich viel Wildwuchs beseitigt. Oder im Keller. Das Regal, was von Amazon bestellt sein Dasein über ein Jahr im Karton fristete, ist nun endlich aufgebaut, steht perfekt, bietet Platz für allerlei Kram. Und die Sichtlagerkästen für den nächsten Schritt sind bereits bestellt. Oder mal wieder ein kleines private Programmierprojekt fertig gestellt. Nicht perfekt, es ist auch nur ein Ansatz, aber veröffentlicht und nach dem Motto “läuft für mich” erstmal beendet. Das heißt nicht, dass ich es nicht erneut hervor hole, wenn der Bedarf besteht oder ich Lust darauf habe. Aber es gibt einen gewissen Abschluss, oder auch Meilenstein, ach nein, heute muss dies natürlich Milestone heißtn, der erreicht ist. Auch im Keller steht noch einiges herum, was allzu ordnungsliebenden Mitmenschen sicherlich die Haare zu Berge stehen lassen würde. Aber ich kannte den vorherigen Zustand – und gegenüber diesem ist der aktuelle eine gewaltige Besserung. Im Garten, nun, der Grünschnitt liegt noch da, was aber eher an zu kleinen Mülltonnen und komplizierten Entsorgungsverfahren liegt. In deutschen Landen muss dazu ja zunächst ein Prozess angestoßen werden. Und selbst damit heißt es, noch knapp einen Monat zu warten, den letzten Termin hatte ich leider verpasst.

Nichtsdestotrotz bleiben einige lose Enden auch nach diesem Urlaub offen. Backups zum Beispiel. Oder die Migration und Installation eines nicht ganz unwichtigen Dienstes. Falls ich einmal ein, zwei Stunden Zeit, aber vor allem Lust dazu habe, werde ich mich sicherlich damit beschäftigen. Oder wenn es – Stichwort Backups – zu spät ist. Doch mit diesen Umständen kann ich gut leben, denn nur weil der Urlaub nun endet und sogar ein neuer Job beginnt, heißt dies ja nicht, dass auf Dauer keine Freizeit mehr vorhanden wäre. Und in diesem Fall freue ich mich auf die, wie es so schön heißt, neue Herausforderung. Und letztlich sind es diese losen Enden, die ich selbst in der Hand habe. Über deren Fortsetzung Klarheit herrscht und an denen ich jederzeit – siehe oben – weiter arbeiten kann.

Andere lose Enden hingegen bereiten mir weitaus mehr Kopfzerbrechen. Vor allem wenn sie so dermaßen ungelöst sind.

Vor einigen Wochen schrieb ich über den Abschied ohne Abschied. Ich würde mich nicht direkt als naiv bezeichnen, nur in manchen Aspekten sicherlich zumindest gutgläubig. Manche würden behaupten, vertrottelt. Sei’s drum, letztlich vertraue vielleicht zu sehr, obwohl ich es hätte besser wissen müssen. Das steht übrigens im Gegensatz zu meinem ansonsten eher rational geprägten Denken und Handeln. Soll heißen – um es sich mit mir zu verderben oder um mein Misstrauen zu ernten, muss man schon einiges anstellen.

Zum Beispiel eklatant extrem viel Bullshit äußern. Oder mehrfach und wiederholt gegensätzlich reden und handeln. Oder immer und immer wieder enttäuschen. Dass selbst dann noch mehr als eine Chance besteht, dass ich wieder in den Gutgläubigkeits-Modus schalte, mag nicht für mich sprechen, aber ich breche ungern Kontakte dauerhaft und endgültig ab. Obwohl es in manchen Fällen möglicherweise die sinnvollere Lösung wäre.

Nur ist genau dies in heutiger Zeit gar nicht so einfach – Social Networks, Messengern und sonstigen auf permanenter Kommunikation angelegten Einrichtungen sei dank. Nehmen wir zum Beispiel Xing. Ich kann eine Person aus meiner Kontaktliste löschen. Gut, das war es aber auch. Wenn ich nach dem Firmennamen suche, weil ich einfach mal wissen wollte, was aus den alten Kollegen geworden ist, läuft mir jene Person in der Anzeige der Suchergebnisse zwangsläufig wieder über den Weg. Rumms. Das war es dann mit dem Vergessen. Dann kann sie auch gleich weiterhin mein Kontakt bleiben und ich übe mich im Ignorieren. Facebook stellt sich da ein wenig besser an, immerhin. Aber da sind ja noch die anderen Myriaden Netzwerke, Sites, Suchmaschinen usw.. Digitales Vergessen scheint nur dann zu funktionieren, wenn man es nicht braucht und zufälligerweise gleichzeitig alle Festplatten des RAID-Arrays den Weg ins Nirvana gegangen sein sollten.

Früher war es etwas einfacher, Adressbuch-Seite heraustrennen, zusammen mit dem einzigen verbliebenen Foto verbrennen. Backups Fehlanzeige, es sei denn, man war schon vorher paranoid und hat alles als Kopie festgehalten. Und letztlich hatte das Verbrennen auch so etwas Endgültiges, die Erinnerungen wurden den Flammen übergeben, die Symbolik spricht für sich. Um ehrlich zu sein, ich habe Derartiges nie getan. Aber das ist auch nicht weiter schlimm, denn wenn jene Erinnerungen nach 10 oder 20 Jahren bei der einen oder anderen Aufräumaktion aus dem Schatten ihres Schuhkarton-Daseins auftauchen sollten, hat man das Gröbste überstanden. Dann sind es Erinnerungen, mitunter schön, mitunter schmerzlich, aber sie spielen für die Gegenwart keine Rolle mehr.

Dasselbe gilt für Texte wie diesen – ich werde mich zwar lange erinnern, in welcher Stimmung und unter welchen Voraussetzungen ich ihn geschrieben habe, aber wenn ich in ein paar – im besten Fall – Monaten oder gar Jahren darauf schaue, hat die Welt einige Pirouetten hinter sich. Und unter diesen Prämissen war der Abschied dann doch ein Abschied. Falls nicht doch noch etwas – aus heutiger Perspektive leider / sehr / durchaus Unwahrscheinliches passiert. Zwar könnte dies jeden Moment der Fall sein, aber so ganz hinter dem Mond bin ich auch nicht geblieben. Und ich vertraue wirklich gerne und vor allem lange-

Natürlich bleiben auch jede Menge Fragen offen – und das sind die losen Enden, die mir doch einige Gedanken bereiten. Und um damit zurecht zu kommen, ist dieser Text entstanden. Zwar erhält er auch keine Antworten, aber neben gewisser Musik hilft mir persönlich das Aufschreiben – und irgendwie auch Aufschreien – bei der Bewältigung schwieriger Situationen. Mehr wollte ich heute nicht sagen.

Naja…

Fast.

 

 

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