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Sie Audi TT – ich VW Golf

Ich habe mir überlegt, ob und wie ich diesen Blog weiter führen werde. Denn dies soll keine Klagemauer werden, keine Jammerei darüber, wie schlecht und ungerecht die Welt doch ist oder mir mitunter erscheint. Ich habe gestern viel nachgedacht. Sehr viel. Ich denke viel in Szenarien, was wie wo wann sein oder geschehen könnte. Und wie ich darauf reagieren würde. Ja, das Leben wird weiter gehen, die Frage ist nur, wie. In den Tagen der Hoffnung hätte man mich nicht stoppen können, ich habe Dinge getan, die ich wenige Tage zuvor noch nicht für möglich gehalten habe. Ich habe beispielsweise die Mittagspause genutzt, um ihr eine Freude zu bereiten. Ich bin schnell gefahren, bin Risiken eingegangen. Ich war motiviert, mich auch mit anderen Angelegenheiten zu beschäftigen als normalerweise, mit vielleicht unerwarteten, spontanen. Wann habe ich das letzte Mal so gefühlt? Wann habe ich mir erlaubt, mich auf solche Emotionen einzulassen?

Die Antwort kann ich sehr genau geben. Es war vor ungefähr fünf Jahren. Damals kam genauso unerwartet wie überraschend eine Frau in mein Leben, mit der ich mich sehr gut verstanden habe. Ich war langsam, habe es damals gar nicht glauben wollen. Meine Freunde rieten mir bereits dazu, endlich mehr Initiative zu ergreifen, doch ich wollte vorsichtig vorwärts gehen. Die ersten Schritte waren schwierig, aber irgendwie haben wir es dann geschafft, uns zu treffen. Soll ich das Ergebnis vorweg nehmen? Es wurde nichts daraus. Wir haben uns stundenlang unterhalten und am Ende des Tages oder vielmehr der Nacht war ich der festen Ansicht, dass daraus nie mehr werden wird als eben jene Unterhaltungen. Ich habe mich geirrt, aber das sollte ich erst etliche Monate später feststellen. Als es zu spät war. Die Situation war eigenartig, wir unterhielten uns nahezu jeden Tag, trotz meiner Skepsis, trotz meiner Bedenken, und allmählich entspannte sich die Beziehung zwischen uns. Zumindest war ich der Ansicht, dass diese immer besser geworden wäre, weshalb ich irgendwann einen neuen Vorstoß wagte, sie zu fragen, wie es weiter gehen könnte. Dann war es zu spät. Ich hatte den richtigen Zeitpunkt verpasst, ich hatte ihre Zeichen nicht richtig gedeutet, wie sie mir später verriet. Für mich war es in dem Moment alles andere, nur keine Zeichen, dass ich vielleicht endlich mehr Initiative zeigen sollte. Das Ende war bereits da, als ich noch an einen Anfang glaubte. Seit mehr als vier Jahren ist sie nun in einer neuen Beziehung – und anscheinend glücklich. Es ist für sie gut so, aber es dauerte mindestens dieselbe Zeit, bis ich es akzeptiert habe. Manchmal brauche ich wirklich etwas länger. Denn ein wenig Hoffnung war noch immer da, auch wenn es nur ein Strohhalm war, an dem man sich aufrichten konnte. Wir haben noch immer viel Kontakt, das wird sich auch nicht ändern, und das ist ebenfalls gut so. Aber ich bin auch so viel Realist, dass ist nun sicher bin, dass sich hierbei nie mehr entwickeln wird.

Eine lange Zeit, aber seitdem gab es keine Frau, der ich erlaubt habe, mir gefühlsmäßig nahe zu kommen. Es gab vereinzelte “Dates” – Flirtseiten und Partnerbörsen sei dank, wobei diese ein ganz anderes Thema sind, auf das ich bei gegebener Zeit zurück kommen werde. Aber es klappte nicht. Vielleicht war ich ein- oder zweimal überzeugend, vielleicht ein- oder zweimal auch nicht. Ich will hier auch gar keine vermuteten Gründe aufführen, es passte einfach nicht. Und da ich auch keine Gefühle “investiert” hatte, war dies für mich am jeweils nächsten Tag auch nahezu komplett irrelevant geworden.

Nun ist es wieder anders. Und noch nicht einmal ähnlich wie vor fünf Jahren, sondern komplett anders. Es hätte passen können, zumindest während des Treffens und vielleicht auch noch direkt danach. Vermutete drei Tage später auch nicht mehr. Doch dies war mir wiederum nicht klar. Ich hatte im Vorfeld bereits Themen überlegt – und so widersinnig es klingen mag – über Autos nachgedacht. Was ist, wenn sie Porsche mag – dann kann ich mit meinem VW Golf nichts ausrichten. Dumme Gedanken, denn eigentlich sollte dies irrelevant sein. Tatsächlich kamen wir durch welchen Zufall auch immer auf Autos zu sprechen. Kein Porsche, aber Audi TT. Also ebenfalls sportlich, dynamisch, schnell. Und ich VW Golf. Sieben Jahre alt. Muss ich noch mehr erläutern?

Und dennoch bin ich der Ansicht, es hätte passen können. Es war gänzlich anders als vor fünf Jahren. Das Ende hätte allerdings auch nicht bitterer sein können. Und wenn sie mir sagt, sie mag Hartnäckigkeit, oder möchte erobert werden, kann ich das durchaus verstehen, aber diese Voraussetzungen sind nun nicht mehr gegeben. Ich werde sie zwangsläufig nach meiner kleinen Auszeit wieder sehen. Das Ergebnis wage ich noch nicht vorher zu sagen.

Vielleicht ist es ein Fehler, dass ich sie nach wie vor für “gut” halte. Dass ich sie nach wie vor schätze. Dass sie mir nach wie vor gefällt. Dass nach wie vor einige unserer Lebenseinstellungen kongruent sind. Dass ich es nach wie vor positiv empfinde, dass sie gewisse Pläne hat. Dass ich sie nicht für eine Frau halte, bei der “etwas nicht stimmen” würde, wie eine gute Freundin meinte. Dass ich sie nach wie vor mag. Es wird ein Fehler sein. Die Frage ist, wie lange dieser Fehler bestehen bleibt. Denn wenn ich weiter hoffe, oder mich gar engagiere, verzögert sich auch alles. Alles Positive wie Negative. Ich weiß noch nicht, wie ich mich verhalten werde.

Momentan bin ich zwischen Pflichten des Alltags und Träumen, oder vielmehr Szenarien gefangen. So fühlt es sich zumindest an. Denn “richtigen” Urlaub zu nehmen, ist aktuell nicht möglich. Gestern war ich lange spazieren. Einfach durch die Gegend gehen, nachdenken. Zu viel, um es hier nachzuhalten. Und die Pflichten nicht vernachlässigen, normale Dinge tun, von einkaufen bis spülen. Beim Spülen ohne Spülmaschine lässt es sich ebenfalls gut nachdenken. Irgendwann ging es nicht mehr, weshalb ich abends wieder in meine Welt, die Nerd-Welt eingetaucht bin. Ein wenig programmieren. Und obwohl die Zeit recht zügig vergangen ist, kam es mir unendlich sinnlos vor. Extrem sinnlos und leer, aber wenigstens verging die Zeit. Vielleicht werde ich in diesem Sinne wieder “normal”. Wie in Laufe der Zeit der letzten fünf Jahre. Nur ist das nicht der Zustand, den ich im tiefsten Inneren anstrebe. Insofern bleiben viele Fragen offen. Bislang unbeantwortet. Doch dazu mehr an einem anderen Tag. Vielleicht.

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