Timing ist alles. Hauptsache seltsam.

Was denkt sich das Schicksal – sofern es ein solches geben sollte – bei so einem Timing? Vor einigen Monaten hatte ich die Chance, bei einem ungewöhnlichen und interessanten Projekt mitzumachen. Obwohl – Projekt ist nicht die richtige Bezeichnung dafür, es ging letztlich um eine Möglichkeit, meinen aktuellen Status zu verändern. Damals habe ich es nicht gewagt, es fehlte das letzte Quäntchen Mut zur Veränderung, und damit ist einige Zeit ins Land gegangen, womit die Chance bereits verpasst schien. An dieser Stelle kann ich leider nicht weiter ins Detail gehen, denn vor wenigen Tagen erhielt ich einen Anruf, in dem mir mitgeteilt wurde, dass dieses Projekt eine Weile auf Eis gelegen hat, und dass mir nun erneut die Möglichkeit zur Teilnahme vorliegen würde. Ich habe eine Weile überlegt und dann dennoch recht spontan zugesagt.

Mit meinem aktuellen Status meine ich das Thema dieses Blogs: Eine Beziehung zu einer Frau. So unverständlich und seltsam es klingen mag – ich hatte in meinen bisherigen 39 Lebensjahren keine Liebesbeziehung. Keine Freundin, keinen Kuss, von Sex ganz zu schweigen. Ein “absoluter Beginner”, wie es extremer nicht mehr geht.

Und dies noch nicht einmal freiwillig. Ja, es wäre mein größter Wunsch, eine Beziehung zu haben. Eine Freundin. Letztlich irgendwann sogar in einer Ehe glücklich zu werden Kinder zu haben. Eine Familie zu gründen. Ein “normales” Leben zu führen. Nur habe ich dies bislang nicht geschafft. Die Gründe dafür kann ich nicht einmal klar definieren. Als Software-Entwickler bin ich auf eine klare Definition angewiesen – wenn nicht per Lasten- oder Pflichtenheft, dann via agiler Methoden, inkrementell, oder einfach nur aus interpretierten Vorschlägen, irgendwann müssen Anforderungen umgesetzt werden. Das Programm für die allumfassende Antwort auf alle Fragen gibt es nicht – und wenn, dann nur in der Science-Fiction, was in einer unverständlichen Antwort resultiert.

Meine Versuche, eine Frau kennenzulernen und sie von mir zu überzeugen, endeten bislang ebenso – im Nichts. Es gab jene Versuche. Vielleicht nicht genug. Und vielleicht erzähle ich hier eines Tages noch davon.

Und nun schlägt das Schicksal gleich doppelt zu.

Zum einen diese zweite Chance, eine Veränderung herbeizuführen. Mich zu verändern. Mich zu verändern heißt, an denjenigen Eigenschaften zu arbeiten, die mich daran hindern, offen auf Menschen, insbesondere Frauen, zuzugehen, einfach mal etwas zu riskieren. Am Ende des einen oder spätestens Beginn des nächsten Tages interessiert sich sowieso niemand mehr dafür. Die Methode mag etwas ungewöhnlich sein, insbesondere für einen eher schüchternen und zurückhaltenden Menschen wie ich einer bin. Aber irgendwann ist selbst diese Scheu irrelevant. Wer nichts wagt, hat schon verloren. Aber ich will hier keine Sprüche klopfen oder Zitate anführen.

Zum anderen bin ich seit einiger Zeit immer mehr von einer Frau fasziniert, die ich zwar seit inzwischen mehr als drei Jahren kenne, aber bis dato einfach nicht in meinem Fokus stand. Weil ich ihre Eigenschaften als zu positiv angesehen hatte. Eine nicht nur wunderschöne, sondern auch extrem intelligente, unterhaltsame, und einfach wahnsinnig nette Frau. Und damit meine ich nicht den kleinen Bruder von – na Sie wissen schon… Nur was bisher leicht war, beispielsweise sich locker und unverkrampft zu unterhalten, wird jetzt wieder kompliziert. Ich denke zuviel, ich interpretiere zuviel und zuwenig zugleich, mein Gehirn schaltet ab, wenn ich am  nötigsten brauche. Es ist wie immer. Die altbekannte Situation. Und die Angst, etwas Dummes zu sagen oder zu tun ist wieder präsent. Nur müsste ich endlich einmal anders darauf reagieren und diese Blockade durchbrechen. Damit komme ich zur bereits genannten Chance, die mir eventuell genau dies bietet. Und ohne ersteres wäre ich bei Letzterem auch nicht an der aktuellen Position.

Nur wird es mit eben jenen 39 Jahren ohne Erfahrung mit Beziehungen nicht einfacher, sondern genau an dieser Stelle wesentlich schwerer. Keine Beziehung, nichts dergleichen. Eben Jungfrau. Und infolge dessen ledig.

In einigen Monaten werde ich die Grenze zur 40 überschreiten. Vielleicht hat sich das Schicksal bis dahin ja noch etwas Neues und Anderes ausgedacht. Das aktuelle Timing könnte nicht schlechter sein. Oder nicht besser. Je nach dem, aus welcher Perspektive man es betrachtet. Timing ist alles. Wieder einmal.

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Planlos – oder: kurz- und mittelfristige Planung…

Kleine Anekdote aus dem Bereich Unternehmensführung… Gestern hatten wir ein Strategie-Meeting zu einem bestimmten Bereich. Die erste Stunde hätten sich drei Viertel der Beteiligten sparen können, da alles bereits bekannt, jedoch wollte der Geschäftsführer nicht auf sehr ausführliche Erläuterungen verzichten. Danach wurde es ein wenig produktiver – immerhin.

Die Strategie für das weitere Vorgehen zu einem bestimmten Thema wurde diskutiert und festgelegt. Soweit in Ordnung. Dann wurde ich auf zwei Schlagworte aufmerksam – und zwar kurzfristig sowie mittelfristig. Kurzfristig soll dies und jenes passieren, mittelfristig etwas anderes. Nur – von welchem Zeitfenster war die Rede?

Ich stellte die – vielleicht etwas provokante – Frage, was kurz- und mittelfristig in diesem Kontext und in der Interpretation des GF bedeutet. Denn die Angabe des Zeithorizonts hilft wiederum in der Planung meines Bereiches, der Technik.

Dann wurde es kurios. Die Antwort war in etwa – ja, kurzfristig sei ab jetzt und mittelfristig danach. Ahh ja…

Im Hinterkopf hatte ich die Unterscheidung zwischen operativer, taktischer und strategischer Planung. Allgemein und branchenunabhängig beträgt die Planzeit für Kurzfristigkeit bis zu einem Jahr, für die Mittelfristigkeit werden drei bis fünf Jahre angegeben und die Langfristigkeit beginnt ab fünf Jahren. Vgl. Fristigkeit.

Sicherlich ließen sich Unterschiede je nach Branche, Alter des Unternehmens, Führungsstil usw. feststellen – für ein junges Technologieunternehmen bedeutet kurzfristig evtl. nur eine Woche, während in einem Stahlkonzern Zeiträume von zwei Jahren noch als kurz angesehen werden.

Mich interessierte folglich die Sicht des GF, um die Planung im eigenen Bereich optimieren zu können. Ich gab mich mit der ersten Antwort nicht zufrieden und fragte erneut nach einer Zeitangabe, schließlich gehört auch dies zur Festlegung der Strategie.

Die Antwort war nun ausweichend – statt dessen versuchte der GF erneut die Hälfte des Whiteboard-Inhalts zu erklären. Dieser war mir jedoch bereits bekannt, weshalb ich erwähnte, dass mir dies schon klar wäre, aber gerne eine Antwort auf die ursprüngliche Frage hätte.

Dann gab mir der GF den Ball zurück und fragte wiederum, welche Zeiträume ich im Kopf hätte. Mein innerliches “WTF?!?” drang vermutlich in diesem Moment nach außen, ich versuchte soweit wie möglich ruhig zu bleiben und fragte höflich, aber bestimmt, nun zum wiederholten Mal, welcher Zeitraum aus seiner Sicht gemeint sei. Die Antwort war vergleichbar zur ersten – konkrete Zeiträume habe er nicht im Kopf, und kurzfristig sei ab sofort und so weiter…

Das Spielchen hätte vermutlich noch weiter hin und her gehen können, mir persönlich waren diese fünf Minuten sinnloser Diskussion bereits wie eine Stunde vorgekommen, so dass ich es letztlich mit einer Begriffsänderung versuchte – kurzfristig wäre in diesem Fall Schritt 1 und mittelfristig Schritt 2. Denn diese Begriffe beinhalten keine Zeitangabe und können nach Belieben interpretiert werden. Meine Planung wird dadurch zwar nicht genauer, aber wenigstens entsteht keine Pseudo-Terminierung, hinter der sich nur Phrasen und Worthülsen verstecken.

Und langfristig sind wir sowieso alle tot. 😉

 

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