Tag 3 oder – es ist nicht wie im Film

Die alt bekannte Situation in einem – meist amerikanisch geprägten – Film: Mann wird von Frau enttäuscht, sitzen gelassen, was auch immer, Mann vergräbt sich zu Hause, trinkt jede Menge Bier, ernährt sich von Fertiggerichten und Pizzabestellungen, die Kartons und – wenn überhaupt vorhandenen Teller, Gläser, Töpfe stapeln sich in der gesamten Wohnung. Freunde versuchen ihn zu kontaktieren, die ersten telefonischen Versuche scheitern, bis jemand persönlich vorbei kommt, ihn ein wenig anbrüllt, ihm klar macht, dass es nicht so weiter gehen kann und ihn überredet, irgend etwas zu tun. Sich beim Sport anzumelden beispielsweise. Oder zu einem Seminar zu gehen. Eben irgend etwas zu unternehmen, um aus der Lethargie heraus zu kommen. Auf dem Weg dorthin oder alternativ auf dem Heimweg läuft ihm per Zufall eine meist unglaublich attraktive, empfindsame, einsame, aber dennoch lebenslustige Frau über den Weg, die er somit prompt kennenlernt. Nach den ersten ungläubigen und danach glücklichen Momenten erscheint das klassische retardierende Element in Form der Verflossenen, des Verflossenen, oder einfach nur dummen Verhaltens – in dieser Situation hätte jeder anders gehandelt, nur nicht der jeweilige Protagonist. Als nach endlosen Minuten diese Hürden endlich bewältigt sind, erscheint das Happy End am Horizont. Hurra. Und sie leben fortan glücklich und…

Wie auch immer. Das ist Fiktion. Das ist nicht real. Zumindest nicht meine Realität.

Zwar habe ich mir jetzt einige Tage Urlaub genommen, um Abstand zu gewinnen. Doch trinke ich so gut wie nie Bier – und erst recht nicht alleine, ob Zuhause oder anderswo. Und es wäre auch kein denkbarer Lösungsansatz. Es wäre Betäuben jeglicher Sinne. Es bringt mich nicht weiter. Zum anderen gibt es gewisse Pflichten, die zu erfüllen sind. Und eine zugemüllte Wohnung (auch wenn im Film irgendwann der Moment kommt, an dem alles für den ersten Besuch neuen Bekanntschaft aufgeräumt wird), ist nicht erstrebenswert. Nie. Und davon abgesehen lässt sich beim Aufräumen gut nachdenken. Vielleicht denke ich zuviel nach, das mag mein Fehler sein. Oder ich konzentriere mich dann so auf die Arbeit, dass ich gar nicht mehr dazu kommt, weiter nachzudenken. Gestern habe ich Wäsche zusammengelegt, gewaschen, gespült, gekocht, gespült, die Spüle extrem geschrubbt – dank Stahlwolle ist ein gewisser Glanz zu bemerken. Heute habe ich bereits staubgesaugt und werde vielleicht noch irgend etwas im Garten tun. Und wieder programmieren. Auch eine Art der Ablenkung.

Ablenkung. Nicht daran denken. Wenn das so einfach wäre. Eine gute Freundin hatte mir schon des Öfteren geraten, dass ich “Gedanken stoppen” müsste. Nur wie dies umzusetzen ist, hat sie mir nicht verraten. Gedanken stoppen. Das klingt bereits kompliziert. Gedanken lesen kein Stoppschild, und halten nicht freiwillig an. Gedanken fließen und finden nahezu immer ihren Weg. Also Ablenken, oder um es anders zu formulieren, Verdrängen. Nur führt dies dazu, dass sie irgendwann wieder an der Oberfläche auftauchen, ob es einem gefällt oder nicht, und meist in Situationen, in denen man nicht damit gerechnet hätte. Beim Spülen. Während des Mittagessens. Beim Aufstehen. Während des Staubsaugens.

In etwas mehr als einer Woche werde ich ihr unweigerlich wieder begegnen. Die Tage werden vergehen, ich werde irgend etwas tun, um nicht verrückt zu werden. Siehe oben. Vermutlich werden diese Tage jetzt einfacher als die Zeit, in der wir uns mehr oder minder täglich über den Weg laufen. Miteinander umgehen müssen. Das tun, was von einem erwartet wird. Nur wird es dennoch anders sein. Die Zeit lässt sich nicht zurück drehen.

Und das Happy-End? Das gibt es nur im Film. Auch wenn ich hoffnungsloser Optimist bin und noch immer an das Gute glaube. An irgend eine Art der Änderung. Selbst wenn mir das Leben bislang das Gegenteil vorgeführt hat. In diesem Sinne trifft es “hoffnungslos” am besten. Denn mein Verstand sagt mir, es wird keine Mail kommen, es wird kein Gespräch mit positivem Resultat geben, es wird kein Anruf erfolgen. Das sind alles nur Szenarien. Schöne Szenarien, aber eben Träume. Oder Wunschdenken. Das ist der Unterschied zwischen Realität und Fiktion.

 

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