Planlos – oder: kurz- und mittelfristige Planung…

Kleine Anekdote aus dem Bereich Unternehmensführung… Gestern hatten wir ein Strategie-Meeting zu einem bestimmten Bereich. Die erste Stunde hätten sich drei Viertel der Beteiligten sparen können, da alles bereits bekannt, jedoch wollte der Geschäftsführer nicht auf sehr ausführliche Erläuterungen verzichten. Danach wurde es ein wenig produktiver – immerhin.

Die Strategie für das weitere Vorgehen zu einem bestimmten Thema wurde diskutiert und festgelegt. Soweit in Ordnung. Dann wurde ich auf zwei Schlagworte aufmerksam – und zwar kurzfristig sowie mittelfristig. Kurzfristig soll dies und jenes passieren, mittelfristig etwas anderes. Nur – von welchem Zeitfenster war die Rede?

Ich stellte die – vielleicht etwas provokante – Frage, was kurz- und mittelfristig in diesem Kontext und in der Interpretation des GF bedeutet. Denn die Angabe des Zeithorizonts hilft wiederum in der Planung meines Bereiches, der Technik.

Dann wurde es kurios. Die Antwort war in etwa – ja, kurzfristig sei ab jetzt und mittelfristig danach. Ahh ja…

Im Hinterkopf hatte ich die Unterscheidung zwischen operativer, taktischer und strategischer Planung. Allgemein und branchenunabhängig beträgt die Planzeit für Kurzfristigkeit bis zu einem Jahr, für die Mittelfristigkeit werden drei bis fünf Jahre angegeben und die Langfristigkeit beginnt ab fünf Jahren. Vgl. Fristigkeit.

Sicherlich ließen sich Unterschiede je nach Branche, Alter des Unternehmens, Führungsstil usw. feststellen – für ein junges Technologieunternehmen bedeutet kurzfristig evtl. nur eine Woche, während in einem Stahlkonzern Zeiträume von zwei Jahren noch als kurz angesehen werden.

Mich interessierte folglich die Sicht des GF, um die Planung im eigenen Bereich optimieren zu können. Ich gab mich mit der ersten Antwort nicht zufrieden und fragte erneut nach einer Zeitangabe, schließlich gehört auch dies zur Festlegung der Strategie.

Die Antwort war nun ausweichend – statt dessen versuchte der GF erneut die Hälfte des Whiteboard-Inhalts zu erklären. Dieser war mir jedoch bereits bekannt, weshalb ich erwähnte, dass mir dies schon klar wäre, aber gerne eine Antwort auf die ursprüngliche Frage hätte.

Dann gab mir der GF den Ball zurück und fragte wiederum, welche Zeiträume ich im Kopf hätte. Mein innerliches “WTF?!?” drang vermutlich in diesem Moment nach außen, ich versuchte soweit wie möglich ruhig zu bleiben und fragte höflich, aber bestimmt, nun zum wiederholten Mal, welcher Zeitraum aus seiner Sicht gemeint sei. Die Antwort war vergleichbar zur ersten – konkrete Zeiträume habe er nicht im Kopf, und kurzfristig sei ab sofort und so weiter…

Das Spielchen hätte vermutlich noch weiter hin und her gehen können, mir persönlich waren diese fünf Minuten sinnloser Diskussion bereits wie eine Stunde vorgekommen, so dass ich es letztlich mit einer Begriffsänderung versuchte – kurzfristig wäre in diesem Fall Schritt 1 und mittelfristig Schritt 2. Denn diese Begriffe beinhalten keine Zeitangabe und können nach Belieben interpretiert werden. Meine Planung wird dadurch zwar nicht genauer, aber wenigstens entsteht keine Pseudo-Terminierung, hinter der sich nur Phrasen und Worthülsen verstecken.

Und langfristig sind wir sowieso alle tot. 😉

 

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