Eine Woche

Eine Woche. Soviel Zeit ist vergangen seit dem denkwürdigen Moment, in dem mir diese “Entscheidung” mitgeteilt wurde. Eine Woche ist nicht viel, aber momentan kommt mir dies durchaus lang vor. Einiges hat sich verändert, anderes nicht. Ich habe die Zeit recht gut genutzt, um produktiv zu sein, habe aber auch ein wenig in der Vergangenheit geschwelgt. Jedoch in einer weiter zurück liegenden Vergangenheit, ich habe mir einen Video-Grabber gekauft, um ein paar alte Aufnahmen von VHS-Kassette zu retten. Damals gab es übrigens noch “Ansager” im TV. Also Leute, die den halben Inhalt eines Films vor dem Film erzählen, damit man vorbereitet ist, wenn der Film im Anschluss daran beginnt. Und das Ende wurde nicht abrupt abgebrochen oder durch Vorankündigungen oder Reklame überlagert, sondern bis zum letzten Frame ausgespielt. Die Speicherung zu Hause erfolgte auf ziemlich unhandlichen Dingern namens Video-Kassetten. Dennoch bin ich erstaunt, dass nach mehr als 24 Jahren die Qualität durchaus noch gut ist – zumindest besser, als ich es befürchtet hatte. Manches hält doch länger als erwartet, und magnetische Aufzeichnung gehört offensichtlich dazu.

Diese alten Aufnahmen könnte ich überspielen, mit neuen Inhalten füllen, aber wer will das schon? Die Kassetten sind alt, der Videorekorder ist alt (er befand sich ca. 9 Jahren im Keller, ich habe ihn nur wieder in Betrieb genommen, da das erste Exemplar nach der ersten Kassette aufgegeben hatte und sich nicht wieder zur Funktionsfähigkeit überreden ließ). Und das Verfahren ist kaum mehr zeitgemäß, dazu bieten Festplatten, respektive der heimische Media-Server einfach zu viele Vorteile. Die DVD-Ära überspringe ich mal, denn letztlich war diese nicht der große Fortschritt gegenüber Videokassetten.

Aber angenommen, ich würde eine neue Aufnahme auf Kassette durchführen wollen. Ich müsste nur das richtige Programm finden, eine Kassette einlegen und den Aufnahme-Knopf drücken. Zur genauen Erläuterung verweise ich an dieser Stelle auf Wikipedia… Damit wird gleichzeitig die alte Aufnahme gelöscht, indem die Magnetpartikel des Bandes neu ausgerichtet werden. Eine praktische Sache.

Nun ist es mit Gefühlen weniger einfach. Zwar ist inzwischen einiges überlagert, was am letzten Freitag und in den Tagen danach noch sehr aktuell und offen war. Aber die ultimative Löschroutine wird es nicht geben. Selbst aus der kurzen Zeit oder aus den Gesprächen zuvor ergeben sich Erinnerungen. Und daraus wiederum Momente, die einer Verarbeitung bedürfen. Und insbesondere wird die erste Zeit, in der wir uns wieder mehrfach pro Woche sehen, nicht ganz einfach sein. Normaler, oder vielmehr professioneller Umgang wird erwartet. Nicht zuletzt von mir selbst. Und von ihr wahrscheinlich auch. Da ich mich ein bisschen kenne, muss ich gestehen – meine Löschroutinen sind mitunter recht langsam. Vielleicht stammen sie noch aus der alten, analogen Zeit. Insofern ist eine Woche eigentlich gar nichts. Und noch immer weiß ich nicht genau, wie meine Reaktion in einigen Tagen aussehen wird. Unterkühlt? Freundlich? “Normal”? Was heißt “normal” in diesem Kontext? Hier bleiben zunächst viele Fragen offen. Klar ist jedoch, dass es anders sein wird als zuvor. Auch nicht mehr “freundschaftlich” im Sinne einer “normalen” Freundschaft zwischen Frau und Mann. Diese Sätze habe ich zwar nicht übermäßig oft, aber doch genug gehört. Denn diesmal sollte es anders sein – war es anders. Eine Woche. Und nun wieder überlagern, ich wollte noch ein Konzept und daraufhin Datenmodell erstellen…

 

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