Schwuler Freund

Ich bin ein sehr guter schwuler Freund. Wirklich.

Die letzten Wochen waren seltsam. Seltsam, aber eigentlich ganz gut. Es ging beinahe stetig aufwärts. Es bezieht sich auf jene Frau, die mich noch immer fasziniert, die mir aber sagte, es wäre für sie nur eine “normale” Freundschaft vorstellbar. Alles kein Problem, ich respektiere es, kann aber nicht wirklich aufgeben. Oder anders – meine Reaktion ihr gegenüber war relativ – wie soll man sagen – neutral. Es nützt nichts, siehe letzter Beitrag, und über meine Gefühle will ich die Kontrolle haben, das werde ich nicht mehr abgeben. Niemandem. Nie mehr.

Ich habe mich weiterhin durchaus neutral verhalten. Nicht wirklich ignoriert, aber auch nicht allzu offen auf sie zugekommen. Und seltsamerweise reagierte sie merkwürdig, ja, von wegen ich würde sie gar nicht beachten, und wir hätten ein paar Tage lang gar nicht geredet und so weiter. Ja, es war so. Ja – und? Muss ich mit ihr reden? Wie war das noch – sie könne sich nichts weiter vorstellen als eine normale Freundschaft? Und reden “normale” Freunde ständig miteinander? Wohl eher nicht, oder?

Also kurzum – mein “normales” Verhalten schien für sie irritierend zu sein. Und wie soll man dies nun interpretieren? Jedenfalls ging es in der letzten Zeit dann eher aufwärts, wir waren Eis essen, wir haben mehrere Mittagspausen miteinander verbracht. Und wie darf ich das interpretieren?

Man erinnere sich – zuvor hat sie bereits erwähnt, sich von ihrem Freund getrennt zu haben. Und nun? Das zusammen mit der verbrachten Zeit, ihrer Verhaltensweise – war war los? Nun habe ich heute erfahren, dass sie wohl doch wieder – oder immer noch – mit ihrem Freund zusammen ist. Ah so. Interessant. Und wie schlecht die Welt doch sei. Heutzutage. Ja, ist sie. Definitiv. Und?

Ich bin wirklich ein guter schwuler Freund. Nur ebenso wirklich nicht schwul. Und ich habe einfach genug von diesem Status.

Und nun? Weiterhin mit ihr Zeit verbringen? Auf die Gefahr hin, dass es alles totaler Unfug ist? Auf die Gefahr hin, dass diese Zeit einfach nur verschenkt und kein bisschen zielführend ist? Wobei das Ziel zunächst definiert werden müsste, aber das ist eine andere Geschichte.

Oder wieder auf Abstand gehen, nichts unternehmen, sich “normal” verhalten? Dann wird sich jedoch auch nichts ändern, erst recht nicht in der “normalen” Beziehung zu ihr.

Und diese Aussagen von wegen ein “Mann müsse alles für die Frau tun” – ich wäre fast geneigt “ja, gerne” zu sagen, aber genau dies war bis jetzt eben nicht möglich. Als schwuler Freund ist man sowieso immer der Arsch. Außer in diversen Filmen. Da klappt es. Sofern man sich einen dämlichen Overall anzieht und den Superhelden spielt. Tolle Idee. Vielleicht sollte ich das mal versuchen.

 

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Und zurück. Oder vor. Oder gar nicht.

Zu viel ist passiert. Zu viel, um es hier alles zu skizzieren. Es geht nicht vor, es geht nicht zurück, es bleibt auf der Strecke. Und was heißt schon “Freundschaft”? Es kann das schönste Wort sein, es ist heute jedoch das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte.

Und ich hatte nicht damit gerechnet – nicht nach der Mail von damals, nicht nach den Gespräche und Begegnungen der letzten Tage, nicht nach diversen Andeutungen, nicht nach dem Austausch von Gedanken, und nicht nach einer kleinen Anmerkung einer dritten Person, die eigentlich gar nichts damit zu tun hat.

Insofern zu viele Fragen, zu viele Optionen, aber eigentlich bleibt mir nur der totale Rückzug oder weiterhin die Hoffnung. Beides hat Vor- und Nachteile. Sie hat mir erstmal die Tür vor der Nase zugeschlagen, wie ich es nicht anders kenne. Von wegen es ginge bei ihr in Richtung Freundschaft. Danke. Muss ich noch mehr sagen? Das klingt so altbacken und miserabel, wie es sich anfühlt. Nicht, dass es mich wundert, ich kenne diese Situation ja bereits. Nicht häufig, zugegeben, aber ich kenne sie. Und sie ist auch ein Grund, weshalb ich dieses Blog hier überhaupt erstellt habe. Und wer jetzt entgegnet, ja, Freunde kann man nie genug haben – stimmt. Aber es funktioniert nicht, wenn einer von beiden mehr will als eine Freundschaft. Und auch nie daran Zweifel gelassen hat. Es funktioniert einfach nicht. Oder es dauerte Jahre – bei mir zumindest, bis sich die Situation normalisiert bzw. auf eine für alle Parteien gangbare Ebene eingependelt hat. Davor verursacht es nur Schmerzen, Wehmut, Verärgerung, kurzum – alle schlechten Gefühle, die man sich vorstellen kann. Momentan habe ich – auf anderer Ebene – genug davon. Und bin auch nicht gewillt, mir dies erneut anzutun. Nur gerate ich immer an genau diejenigen Frauen, mit denen mir dies passiert. Normal war es nie, ansonsten wäre dieses Blog nicht vorhanden. Und ich nicht in der aktuellen Situation. Sie sagte mir noch, ich hätte alles richtig gemacht und so weiter. Wollte ich das hören? Ist es nicht einfacher, wenn einem ein Fehler deutlich gemacht wird? Alles richtig gemacht. Und das Ergebnis ist – nichts?!? Um es mit Noten auszudrücken – ungenügend? Passt das zusammen? Jemanden “näher kennenlernen” zu wollen, aber einem dazu weder die Zeit noch die Gelegenheit zu geben? Oder heißt “näher kennenlernen” mehr oder minder oberflächliche Gespräche während der Arbeitszeit?

Ja, wir haben uns auch zeitweise sehr viel und intensiv unterhalten. Aber war das bereits ein “Kennenlernen”? Sicherlich hat jeder eine eigene Auffassung davon. Meine ist, dass zumindest ein wenig Privates offenbart werden sollte. Ein wenig. Nur ein Stück. Um sich kennenzulernen, wie man außerhalb des Büros und der Zwänge der Arbeit ist oder vielmehr sein möchte. So wie man sich dann eben auch privat verstehen könnte. Und so weiter. Fragen über Fragen, am Ende bleiben schwer wiegende Erinnerungen. Oder eben auch nichts. Keine Antwort, kein Feedback. Die Gewissheit der Ungewissheit. Und viele Worte, wie diese hier. Genau.

 

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Planlos – oder: kurz- und mittelfristige Planung…

Kleine Anekdote aus dem Bereich Unternehmensführung… Gestern hatten wir ein Strategie-Meeting zu einem bestimmten Bereich. Die erste Stunde hätten sich drei Viertel der Beteiligten sparen können, da alles bereits bekannt, jedoch wollte der Geschäftsführer nicht auf sehr ausführliche Erläuterungen verzichten. Danach wurde es ein wenig produktiver – immerhin.

Die Strategie für das weitere Vorgehen zu einem bestimmten Thema wurde diskutiert und festgelegt. Soweit in Ordnung. Dann wurde ich auf zwei Schlagworte aufmerksam – und zwar kurzfristig sowie mittelfristig. Kurzfristig soll dies und jenes passieren, mittelfristig etwas anderes. Nur – von welchem Zeitfenster war die Rede?

Ich stellte die – vielleicht etwas provokante – Frage, was kurz- und mittelfristig in diesem Kontext und in der Interpretation des GF bedeutet. Denn die Angabe des Zeithorizonts hilft wiederum in der Planung meines Bereiches, der Technik.

Dann wurde es kurios. Die Antwort war in etwa – ja, kurzfristig sei ab jetzt und mittelfristig danach. Ahh ja…

Im Hinterkopf hatte ich die Unterscheidung zwischen operativer, taktischer und strategischer Planung. Allgemein und branchenunabhängig beträgt die Planzeit für Kurzfristigkeit bis zu einem Jahr, für die Mittelfristigkeit werden drei bis fünf Jahre angegeben und die Langfristigkeit beginnt ab fünf Jahren. Vgl. Fristigkeit.

Sicherlich ließen sich Unterschiede je nach Branche, Alter des Unternehmens, Führungsstil usw. feststellen – für ein junges Technologieunternehmen bedeutet kurzfristig evtl. nur eine Woche, während in einem Stahlkonzern Zeiträume von zwei Jahren noch als kurz angesehen werden.

Mich interessierte folglich die Sicht des GF, um die Planung im eigenen Bereich optimieren zu können. Ich gab mich mit der ersten Antwort nicht zufrieden und fragte erneut nach einer Zeitangabe, schließlich gehört auch dies zur Festlegung der Strategie.

Die Antwort war nun ausweichend – statt dessen versuchte der GF erneut die Hälfte des Whiteboard-Inhalts zu erklären. Dieser war mir jedoch bereits bekannt, weshalb ich erwähnte, dass mir dies schon klar wäre, aber gerne eine Antwort auf die ursprüngliche Frage hätte.

Dann gab mir der GF den Ball zurück und fragte wiederum, welche Zeiträume ich im Kopf hätte. Mein innerliches “WTF?!?” drang vermutlich in diesem Moment nach außen, ich versuchte soweit wie möglich ruhig zu bleiben und fragte höflich, aber bestimmt, nun zum wiederholten Mal, welcher Zeitraum aus seiner Sicht gemeint sei. Die Antwort war vergleichbar zur ersten – konkrete Zeiträume habe er nicht im Kopf, und kurzfristig sei ab sofort und so weiter…

Das Spielchen hätte vermutlich noch weiter hin und her gehen können, mir persönlich waren diese fünf Minuten sinnloser Diskussion bereits wie eine Stunde vorgekommen, so dass ich es letztlich mit einer Begriffsänderung versuchte – kurzfristig wäre in diesem Fall Schritt 1 und mittelfristig Schritt 2. Denn diese Begriffe beinhalten keine Zeitangabe und können nach Belieben interpretiert werden. Meine Planung wird dadurch zwar nicht genauer, aber wenigstens entsteht keine Pseudo-Terminierung, hinter der sich nur Phrasen und Worthülsen verstecken.

Und langfristig sind wir sowieso alle tot. 😉

 

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