Über Frauen und Laber-Feministinnen

Gestern habe ich auf einen Tweet geantwortet, nachzulesen in diesem Thread.

Mir war natürlich klar, dass diese Zeilen kontrovers sind und entsprechende Reaktionen verursachen. Und was wurde gleich wieder scharf geschossen – von wegen ich würde davon nichts verstehen und solle mich um meinen Kram kümmern – und so weiter. Ich werde hier nun nicht alles wiederholen, wer interessiert ist, kann die Tweets gerne verfolgen.

Der Anlass war simpel – die “Führungsriege” (ein Wunder, dass sich anhand dieses Wortes nicht aufgeregt wurde) des “Heimatministeriums” wurde vorgestellt, genau genommen “Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat“, kürzen wir es wie gewohnt ab – BMI.

Die Antworten waren schon interessant und glichen teilweise einer Art Shitstorm. Jedenfalls hatte ich noch nie so viele Reaktionen erhalten, auch nicht auf meine beliebten Trash-TV-Tweets. Darunter übrigens mehr Zustimmungen auf meinen Tweets als Zustimmungen auf die entsprechende erste Antwort. Ich möchte an dieser Stelle aber gar nicht die Führungsmannschaft (im wahrsten Sinne des Wortes ist es eine solche) des BMI bewerten, oder was dazu geführt hat, dass jene Herren Staatssekretäre rund um Herrn Seehofer die einzelnen Bereiche leiten. Mag es Parteizugehörigkeit sein, mögen es Seilschaften sein, mögen es Qualifikationen sein, mag gewürfelt worden sein – all das wird ein Geheimnis von Herrn Seehofer bleiben.

Was mich vielmehr störte, waren die Hashtags von Frau Neumann, die sie in ihrem Tweet verwendet hat: “#Diversity”, “#Feminism”, “#Vielfalt”.

Erstens: Ist “Diversity” und “Vielfalt” nicht dasselbe? Auf gut Deutsch heißt es übrigens “Diversität” oder “Vielfältigkeit”. Die sieht Frau Neumann in der Führungsriege nicht.

Zweitens: “Feminism” – auch das könnte leicht mit “Feminismus” übersetzt werden. Frage ich Google danach, antwortet es mir mit “eine Ideologie und gesellschaftliche Bewegung, die die Gleichberechtigung der Frau in allen Lebensbereichen und eine Veränderung der gesellschaftlichen Rollen von Frauen anstrebt”.

Eine Ideologie und Bewegung also. Da haben wir es auch schon. Zu Ideologien stehe ich naturgemäß immer recht kritisch, Warum? Weil Ideologien zu oft einseitig sind, zu oft konzentrieren sie – und deren Bestreiter – auf einen Aspekt, berücksichtigen aber eben nicht die Vielgestaltigkeit. Aber ich will auch gar nicht in gesellschaftspolitische Diskurse abdriften, sondern lieber Beispiele nennen. Gleichberechtigung ist wunderbar. Und das meine ich ernst. Gleichberechtigung von Mann und Frau ist eine moderne Errungenschaft, die wohl niemand hierzulande missen möchte, außer vielleicht ein paar Splittergruppen.

Jedoch darf Gleichberechtigung nicht in Gleichmachung oder gar Gleichschaltung enden. Denn es gibt nun einmal Unterschiede zwischen Mann und Frau, und wer diese verkennt oder ignoriert, ist einfach nur dumm und darf meines Erachtens nicht ernst genommen werden. Das fängt bei biologischen Tatsachen an und hört bei psychologischen Unterschieden noch lange nicht auf. Eine Antwort aus den vielen Tweets zitierte beispielsweise Untersuchungen, die besagten, dass eine Gruppe, etwa ein Team in einem Unternehmen, leistungsfähiger sei, wenn sich darin unterschiedliche Charaktere und insbesondere beide Geschlechter befinden. Der Umkehrschluss ist also – es muss einen Unterschied geben, ansonsten wäre auch in dem Ergebnis, d.h. der Leistungsfähigkeit, kein Unterschied festzustellen. Ob Frauen nun immer empathischer sind als Männer, oder Männer immer eine größere Begabung für mathematische Aspekte haben, ist dabei irrelevant. Das mag für einige zutreffen, für andere hingegen nicht. Die Statistik spricht sicherlich dafür, Einzelfälle bestätigen die Regel.

Womit ich aber überhaupt nichts anfangen kann, sind Quoten. Und zwar weder für Männer, noch für Frauen. Ich würde weder eine Quotenfrau, noch ein Quotenmann sein wollen. Wenn ich in einen Pflegeberuf einsteigen wollte, in dem mindestens 90% Frauen arbeiten, würde ich bevorzugt werden wollen, weil ich ein Mann bin? Ist gar unsere Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel eine Quotenfrau? Ich denke nicht, dass sie damit einverstanden wäre, derart bezeichnet zu werden. Also wem wäre geholfen, wenn in dieser Führungsmannschaft des BMI Frauen wären, die nur dort sind, weil sie zufälligerweise in den ersten Entwicklungswochen ein Y- statt ein weiteres X-Chromosom erhalten haben?

Wie erwähnt, ich weiß nun wirklich nicht, was zu der Entscheidung des Personals des BMI geführt hat, aber mir ist auch nicht verständlich, wieso sich Frauen von dieser Mannschaft nicht vertreten fühlen sollen. Oder fühlen sich die Männer hierzulande nicht von Frau Dr. Merkel geführt, weil sie eine Frau ist? Ja, ein paar Splittergruppen und Ewiggestrige mag es geben, wird man hier einwenden. Aber während die Männer als Ewiggestrige beschimpft werden, sind die Frauen umgekehrt “Feministinnen”?

Ich habe zugegebenermaßen meine Probleme mit diesem krampfhaften Feminismus. Wie gesagt, Gleichberechtigung – wunderbar. Mit Anerkennung und Berücksichtigung der Unterschiede. Ich habe sehr wohl Frauen kennengelernt, die es schätzen, wenn “der Mann” ihnen die Tür aufhält oder auf der Straßenseite läuft, und somit “die Frau” auf dem Bürgersteig “beschützt”. Aus Gründen trage ich auch die schweren Kisten und überlasse sie nicht “der Frau”. Oder helfe bei technischen Angelegenheiten, aber auch nur dann, wenn ich weiß, dass “die Frau” damit ihre Schwierigkeiten hat und dies gerne annimmt. Genauso schätze ich es, wenn “die Frau” ihre andere, empathische Sicht vorbringt und meine nüchtern-sachliche Analyse oder vorgefertigte Meinung damit hinterfragt. Und so weiter.

Ach ja, ich wollte ja Beispiele bringen. Nun, ich bin quasi in einem Frauenhaushalt aufgewachsen. Meine Mutter war alleinerziehend, musste Kind und Karriere gleichsam stemmen. Da mein Großvater viel zu früh von uns gegangen ist, hat meine Großmutter viel dazu beigetragen, dass ich quasi groß und stark geworden bin. Meine Mutter war aber nicht nur alleinerziehend, sie hat es auch geschafft, tatsächlich Karriere zu machen. Und zwar in einer ganz anderen Zeit, ohne Kita, Frauenquote und sonstige Scherze. Sie konnte schon immer gut mit Zahlen umgehen, also hat sie sich als Buchhalterin hoch gearbeitet in einem mittelständischen Unternehmen. Und es somit dort – und zwar mit ihren Leistungen und unter einigem Arbeitseinsatz – bis zur Prokuristin geschafft. Hier zählte insofern Leistung, keine Quote. Sie war und ist stolz auf diese Leistung, auf ihren Lebenslauf, und dass sie niemals Hilfen vom Staat angenommen hat, auch wenn die Zeiten damals durchaus noch anders gewesen sind. Natürlich funktionierte dies nur mit Hilfe von der Familie, aber genau dazu sollte doch die Familie da sein? Hilfe, wenn es notwendig ist, anstatt auf Selbstverwirklichungs-Trips zu gehen.

Ein anderes Beispiel – nur ein paar Jahrzehnte später. Meine beste Freundin , ganz nebenbei Ausländerin – hat einen hervorragenden Studienabschluss und hat es in wenigen Jahren bis zur Personalleiterin in einem Unternehmen mit einigen Hundert Angestellten gebracht. Auch sie würde jedem die Hölle heiß machen, wenn man sie als Quotenfrau bezeichnet. Auch hier zählen letztlich Leistungen, sicherlich als Personalleiterin anderen Typs als beispielsweise als Informatiker, aber genau darauf kommt es doch an – die am besten geeignete Person für die jeweilige Stelle zu finden. Als Informatiker wäre diese Position für mich beispielsweise überhaupt nicht sinnvoll.

Und ich könnte noch weitaus mehr Beispiele bringen. Ich frage mich beispielsweise, wieso es in meinem Beruf so wenige Frauen gibt. So wenige Software-Entwicklerinnen, weibliche DevOps-Engineers oder Projektleiterinnen in der IT. Auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel, ich kenne einige technisch sehr versierte und fachlich hochqualifizierte Frauen, die auch unter den männlichen Kollegen sehr geschätzt werden. Wenn der Wille, die Begabung und die Kompetenz vorhanden sind – herzlich Willkommen!

Worauf ich jedoch hinaus will – “da draußen” und abseits von Quoten und Laber-Feministinnen, gibt es Frauen, die Gleichberechtigung leben, und nicht davon schwafeln. Warum ich “Laber-Feministinnen” schreibe? Nun, das sind meiner Ansicht nach diejenigen, die nur predigen, die aber nichts wirklich leisten, sondern sich einzig und alleine damit profilieren oder profilieren wollen, eine Gleichmachung zu erreichen, aber völlig verkennen, dass Gleichberechtigung das Ziel sein muss. Diejenigen, die mit Vorurteilen hantieren, anstatt sich mit Fakten auseinandersetzen. Diejenigen, die immer nur ein Thema kennen und bei jeglicher Aktion Misstrauen streuen. Diejenigen, die in Meta-Diskussionen abdriften oder gar nicht erst Argumente formulieren, sondern Männer reduzieren und diskreditieren wollen, was jeglicher Gleichberechtigung widerspricht. Insofern dürfte sich niemand wundern, dass diese Bemühungen, eben weil sie so krampfhaft und unnatürlich sind, in das genaue Gegenteil umschlagen. Die “Laber-Feministinnen” führen somit das Ziel der Gleichberechtigung ad absurdum.

In diesem Sinne…. und miteinander reden hat noch nie geschadet.

 

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